Ein kleiner Anstoß zum Klavierüben

Schon das Wort ÜBEN ruft eine ablehnende Haltung hervor. Das lästige Wiederholen und monotone Abspielen von Sequenzen, von immer gleichen Stellen, ist eine unbequeme Sache, der man gerne aus dem Weg geht.

Der Zwiespalt ist allgemein bekannt: Wir wollen etwas sehr gut können, wollen schnellen Erfolg, sind aber nicht bereit die erforderliche Zeit zu investieren.

Wir haben vergessen, dass wir unsere eigene, persönliche Zeit haben, etwas zu erlernen. Wir selbst sind das Maß, und dementsprechend sollten wir uns die Zeit gönnen, die wir brauchen, um neue Kenntnisse zu erlangen.

Üben, - oder wie ich es nenne, neugieriges Wiederholen, - ist ein wertvoller Schaffensprozess, der nicht nur mit dem Musikstück zu tun hat, sondern ganz wesentlich zu unserer inneren musikalischen Entwicklung führt.


Wie ist das nun im Alltag?

Wichtig ist, dass jeden Tag Zeit am Klavier verbracht wird. Manchmal investiert man mehr als eine Stunde, manchmal gehen sich nur ein paar Minuten aus.

Wesentlich ist, dass es zum Tagesablauf dazu gehört. Optimal, wenn das Spielen immer zur gleichen Tageszeit stattfinden kann und auch der Übeprozess eine gewisse Routine bekommt. Das Zauberwort heißt Kontinuität - auch wenn gerade wenig Zeit vorhanden ist oder man lieber die Füße hochlegt und seine Lieblingsserie im Fernsehen ansieht, ein bisschen Zeit fürs Klavier sollte man sich nehmen.

Durch kontinuierliches spielen und üben verbessert man sich, vielleicht unmerklich zu Beginn, aber es wird von Tag zu Tag klarer.
Dies gilt in jeden Belangen des täglichen Lebens. Durch stetiges Interesse, sich zu verbessern, Problemstellungen zu analysieren, eigene Fehler zu erkennen und zu beseitigen und Freude daran zu haben, wieder ein Stück weitergekommen zu sein, bereichert das Leben ungemein und hilft uns, als Person zu wachsen. 

Damit das Klavierüben auch effizient von der Hand geht und die Zeit optimal genutzt wird, lesen Sie nachfolgend meine bewährte Überoutine: 

1). Fingerübung: zum Aufwärmen der Finger genügt anfangs eine kleine Technikübung mit jeder Hand separat trainiert.

2). Das neue Musikstück mit jeder Hand allein schrittweise erarbeiten. Am besten nimmt man sich immer nur 2-3 Takte vor. Dabei zuerst die Noten genau abspielen, dann wiederholen und die Melodie nachsummen, dann nochmals spielen und exakt zählen. Danach erst die nächsten Takte genauso erarbeiten. Hat man so eine Zeile oder zwei geschafft, gehört alles von Anfang LANGSAM durchgespielt.
Misserfolg stellt sich meist durch zu schnelles Üben ein!
Das Zauberwort heißt LANGSAM. Merkt man, dass eine Stelle immer schwierig ist, gehört Note für Note gespielt, Nur so hat unser Hirn die Möglichkeit, die verschiedenen Bewegungsabläufe, die auch in einer scheinbar leichten Stelle vorhanden sind, ordnungsgemäß abzuspeichern.

So geht man vor, bis das Pensum erreicht ist.

Wie macht man das bei Kindern?
Auch da bitte immer achten, dass jede Hand für sich und langsam gespielt wird. Bei schnellem Üben - vielleicht aus akuter Zeitnot - kommt die Bewegung der Finger außer Kontrolle und man vergreift sich. Solche Fehler sind dann schwer wieder loszuwerden, - ein unnötiger Misserfolg! Für Sprösslinge, die nicht so gerne spielen eignet sich eine Eier- oder Sanduhr am Klavier. Wenn die ausgemachte Zeit abgelaufen ist, ist der Schaffensprozess für den Tag erledigt. Das ist für fast alle Kinder optimal, da kennen sie sich aus.

3). Zum Abschluss der Überzeit empfiehlt sich ein schon länger geübtes Musikstück durchzuspielen, das Freude macht und schon flott geht.
Natürlich wäre es optimal mehr davon zu spielen, weil genau diese älteren, leichteren Stücke, die Routine und Geläufigkeit steigern.

Allgemein merkt man sich: ein Musikstück lernt man nicht durch endloses Durchspielen. Es geht nur taktweise und durch Wiederholen von kleinen Abschnitten.
Nicht zu vergessen ist, dass Musik etwas mit Melodie zu tun hat, und dass die Ohren wesentlich zum Übungserfolg beitragen. Die Melodie nachsingen oder summen mit und ohne Klavier erleichtert das Erlernen. Warum? Weil wir durch die Melodie schon wissen, wie es weitergeht in der Abfolge, und daher auch die Noten schneller erfassen.

In diesem Sinne - viel Erfolg!

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